Nagut, dann hier neuste Fußball-Update:
Souverän zur zweiten Goldmedaille 2015
„Unglaublich“, hat der Sprecher im Red Tail Stadium gerufen - und: „Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich.“ Das US-Publikum stieg nur zögerlich ein, war offenbar sprachlos - denn Anna Fenninger war wieder Weltmeisterin geworden. Die 25-Jährige holte als Favoritin am Donnerstag im Riesenslalom in furioser Manier die Goldmedaille, die zweite in Beaver Creek nach jener im Super-G, die insgesamt dritte mit Silber in der Abfahrt.
Fenninger zog bei ihrem letzten WM-Auftritt 2015 im Medaillenspiegel mit der Slowenin Tina Maze gleich, die Gold in alpiner Kombination und Abfahrt erobert hatte und im Super-G hinter Fenninger Zweite geworden war. Im Riesenslalom war die 31-Jährige als Fünfte chancenlos. So war die Spannung diesmal überschaubar - Fenninger blieb nicht nur für Maze, sondern für alle außer Reichweite. Das war nach dem ersten, von Mazes Coach Valerio Ghirardi gesteckten Lauf klar, in dem die 25-Jährige Welten zwischen sich und die erste Verfolgerin, ihre Landsfrau Michaela Kirchgasser, aufgebaut hatte. 0,81 lag Kirchgasser zurück, 0,90 die Schwedin Jessica Lindell-Vikarby. Maze war als Vierte schon mehr als eine Sekunde zurück.
Rennfahrerin reinsten Wassers
Die Luft war draußen, jeder wusste: Bei normalem Verlauf würde Fenninger Gold nicht mehr zu entreißen sein. Ein Sturz oder Torfehler war kein Thema. Zu sicher hatte sich Fenninger im bisherigen WM-Verlauf gezeigt. Im Finale war Fenninger oben souverän, doch verschlug es ihr nach dem Golden Eagle die Ski, sogar einen Sturz konnte sie nur mit Mühe und noch mehr Akrobatik vermeiden. Ein Raunen ging durchs Publikum. Doch selbst nach diesem Patzer lag sie noch 1,40 Sekunden vor Victoria Rebensburg, die als Elfte nach Lauf eins mit Silber für die einzige Überraschung und zugleich für die erste deutsche WM-Medaille 2015 sorgte. Kirchgasser war auf Platz sechs zurückgefallen, Kathrin Zettel Siebente geworden.
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Zum zweiten Mal wurde für Fenninger die Bundeshymne angestimmt
Fenninger kannte die Pose. Erst stemmte sie jubelnd die Ski nach oben, später die österreichische Fahne. Sie, ihre Betreuer und ihre Fans freuten sich wie ihr Freund Manuel Veith, der frühere Snowboarder, der sich einmal mehr als Glücksbringer erwiesen hatte. Sofern ein solcher für Fenninger nötig war, so souverän, wie sie sich präsentiert und zugleich untermauert hatte, eine Rennfahrerin reinsten Wassers zu sein - also ihre Leistung punktgenau abrufen zu können, wenn es darauf ankommt, wie bei ihrem ersten WM-Titel in Garmisch, ihrem Olympiasieg in Sotschi und eben in Beaver Creek, wo sie mit zwei Goldmedaillen die Begeisterung in Österreich und den USA schürte.
„Konnte es gar nicht glauben“
Dabei sei sie von ihrer Leistung gar nicht überzeugt gewesen, sagte Fenninger bei der folgenden Pressekonferenz, im ersten Lauf genauso wie im zweiten. „Der erste war zwar geschmeidig. Ich dachte aber, dass es total knapp werden würde, weil es so flach war und es nicht so viele Kurven gab. Deshalb habe ich versucht, vor allem zwischen den Toren zu pushen. Mein Vorsprung im Ziel hat mich aber total überrascht. So gut ist mir das nicht vorgekommen.“ Über die Schrecksekunde im Finale sagte sie: „Ich war überzeugt, dass der Vorsprung weg ist und ich Gas geben muss. Als ich im Ziel dann wieder so weit vorne war, konnte ich das nicht glauben.“
Anna Fenninger mit österreichischer Fahne
APA/EPA/Vassil Donev
Mit einem „geschmeidigen“ und einem fehlerhaften Lauf fuhr Fenninger zu Gold
Ebenso baff war ÖSV-Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum. „Es ist ein Wahnsinn, man kann ihr nur gratulieren zu der Leistung.“ Überraschend sei der Sieg freilich nicht gekommen. „Anna hat eine unheimlich bestechende Form und ein wahnsinniges Selbstvertrauen aufgebaut. Auch das ganze Team um sie herum hat super gearbeitet. Sie hat ein perfektes Set-up für den Schnee gefunden. Sie ist gut drauf und kann die Übergänge voll attackieren und auch Fehler korrigieren, wie man gesehen hat.“ Head-Servicemann Mike Jöchl ergänzte: „Mit so einem Vorsprung kann normalerweise nichts mehr schiefgehen. Aber wie man gesehen hat, hätte es noch einmal brenzlig werden können.“
Erstaunt über die WM-Ausbeute
Fenninger nahm es gelassen. „Ich habe mich wirklich sehr gut auf meinen Ski gefühlt. Wir haben mit der Skifirma Head zuletzt sehr viel Arbeit investiert. Zudem habe ich geschaut, dass ich während der Speed-Tage hier immer auch meine Riesentorlauf-Tage bekommen habe und damit auch im Riesentorlauf in Form bleibe.“
Erstaunt sei sie von der WM-Ausbeute immerhin gewesen, war sie doch stets vorne dabei, aber mit nur einem Weltcup-Sieg - im Riesentorlauf in Sölden beim Saisonauftakt - angereist. Die Heimreise mit zwei Goldenen und einer Silbermedaille anzutreten sei mehr, als sie erwarten durfte.
„Ich wusste, dass ich schnell Ski fahren und Medaillen gewinnen kann. Dass ich das dann aber so umsetze, ist ganz speziell, weil es bei einer WM ja immer auf diesen einen bestimmten Tag ankommt. Ich habe versucht, mich darauf einzustellen. So wie im letzten Jahr. Ich kenne das ja von Olympia. Also wusste ich, wie ich es angehen muss. Aber im Vorhinein kann man halt nie sagen: Ich komme her und gewinne drei Medaillen“, so Fenninger, die mit dem insgesamt fünften Gold neben zwei Silbermedaillen und einer Bronzemedaille im achten Bewerb auch den ÖSV auf WM-Rekordkurs hielt - zwei Goldmedaillen mehr, und Chamonix 1962 ist übertroffen. Das jedoch wird nicht mehr Fenningers Aufgabe sein.
Quelle:
http://sport.orf.at/stories/2225308/2225307/ (Michael Fruhmann, ORF.at, aus Vail/Beaver Creek)