Noob_Saibot hat geschrieben:Mir erzählen in letzter Zeit immer mehr Leute, dass einige Bookingagenturen in Österreich, junge Bands mit dubiosen Konzertverträgen abzocken, wie z.B. "Ihr müsst so und soviel Karten verkaufen und die Differenz selbst bezahlen".
naja, "dubios" find ichs ehrlich gesagt nicht, da is alles von haus aus klar, nix verstecktes - und für die die nicht wissen worums geht, eine Differenz ist WENN dann zu bezahlen, wenn die Band weniger Karten als vereinbart verkauft hat. Beispiel: Band will spielen, macht mit Veranstalter Vertrag über 25 Karten, verkauft sie nur 15, müssen sie die übrigen 10 aus eigener Tasche zahlen.
Ich will hier niemanden übel nachreden, aber einige Musiker tummeln sich hier und ich würde gerne wissen, was ihr für Erfahrungen damit gemacht habt, oder ob das eine gängige legitime Aktion seitens der Bookingagentur ist. Ich war bis jetzt nicht wirklich davon betroffen, aber trotzdem, so eine Entwicklung gefällt mir nicht. So stelle ich mir eine sinnvolle Förderung junger Bands nicht vor.
Warum sollte eine Band die in einer Location auftritt, dafür bezahlen um zu spielen. Der logische Ablauf wäre doch normalerweise umgekehrt.
Da ich mit meiner Band selbst oft genug solche Verträge eingehe, kann ich natürlich nachvollziehen dass viele, vor allem "frische" Bands damit ein Problem haben. Grad als neue Band isses schwer, is eh klar.
Nixdestotrotz, man muss auch die Veranstalter diesbzgl verstehen - Wenn eine Band keine 10 Leute zu einem Konzert bewegen kann (und dann die Hälfte davon auf die Gästeliste setzen will), welchen "kaufmännischen" Sinn hat es für den Veranstalter die Band dann aufs Lineup zu setzen (wenn man z.b. stattdessen eine andere Band nehmen kann die die notwendige Menge an Leuten bringt)?
Konzerte kosten Geld, und die allgemeine Lage hat sich zum schlechteren entwickelt - ich spiel jetzt seit über 10 Jahren Konzerte - richtig regelmässig seit sagen wir 2004/2005, und mittlerweile gibts z.b. fast keinen Veranstalter mehr aus der ersten Hälfte meiner "aktiven" Zeit, weils entweder komplett pleite gegangen sind, oder weil sies nichtmehr interessiert. Und ein Hauptgrund für BEIDE varianten ist, dass (wenn wir beim Beispiel Wien bleiben), dass das Publikum immer "lascher" wird - in Wien hast jede Woche 3 Metalkonzerte, 2x im Monat ein überdrüberultra-Package mit 7 internationalen Bands, das kann sich KEIN MENSCH leisten, aber selbst die kleinste internationale Band die tourt will ihr Geld haben, du hast also von Haus aus Kosten, umso mehr wennst überhaupt willst dass die Leute irgendwie von deinem Konzert erfahren und du Flyer drucken und verteilen (lassen) musst...
Jetzt is Konzerte veranstalten nur solange interessant, sowie das zumindest mal KEIN Minus is, im Idealfall du mit Plus aussteigst. Jetzt kommt internationale Band A auf Tour, will ein bissl Geld, Übernachtung, und Verpflegung - und Wien, trotzdem es eine internationale Hauptsadt ist, ist faul und verwöhnt was Konzerte betrifft, also kommen von Haus aus mal ZU WENIGE Leute nur für Band A. Angenommen du brauchst 90 zahlende Leute an dem Abend, damit die Kosten gedeckt sind, weisst aber das Band A evtl nur 30 Leute anzieht (du musst mit dem worst case kalkulieren), also holst du dir lokale Bands dazu, Band B verspricht dir 30 Leute zu bringen, Band C ebenfalls.
Verlässt du dich drauf? Wenn beide Bands das halten isses "gut", dann hast du viel Arbeit gehabt, viel Geld im vorhinein investiert, und im Endeffekt sin halt die Kosten gedeckt. Leider isses halt nunmal so, dass Bands viel versprechen wenn ein Gig in Greifweite ist, und gehalten wirds dann nicht - was jetzt vorwurfsvoller klingt als es gemeint ist, oft gitbs einfach Faktoren die reinspielen die man vorher nicht erahnen hat können.
Nunja, um kein Risiko einzugehen musst du dich halt irgendwie absichern - vor allem wenn du jetzt nicht nur dieses eine Konzert planst, sondern als Veranstaltungsagentur mehrere Konzerte hast, dann bleibt irgendwann nicht viel mehr übrig als die lokalen Bands vertraglich zu verpflichten - ansonsten hast du in einer Woche mehr Verlust gemacht als du mit deinem "nebenbei"-40-Stunden Job verdienen kannst.
Und da muss man dann halt auch als Band realisieren, auch wenns schwer fällt: "Wieso sollte mich der Veranstalter dazu nehmen, wenn ich keine 15 Leute bring?". Und der Veranstalter kann halt auch nciht 7 lokale Bands auf jedes Konzert dazunehmen, wo jede 5-10 Leute bringt, sondern halt maximal 3-4, wo jede im Idealfall 20+ bringt.
Jetzt könnte man leicht sagen "Na dann sollen sie halt nur internationale Bands nehmen die auch genügend Leute bringt" - jo, aber dann fallen wir um 85% aller Konzerte um, ich wahrscheinlich sogar um 99% aller die mich interessieren; darüberhinaus wär dann auch wieder kein Anlass gegeben um Band B spielen zu lassen, wenn sich Band A eh schon rentiert. Sofern die Band mit dem Veranstalter ned irgenwie befreundet is oder so, wirds da nix spielen. Sicher, "Nachwuchsförderung" is das nicht - aber das is ja, zumidnest ab einem gewissen Level auch nicht das Ziel des Veranstalters. Und einen Level drüber spielt sich für locals sowieso nix mehr ab (Novamusic o.ä.), da kannst du betteln gheen und 100 karten versprechen, das interessiert dort keinen.
Im Endeffekt - "wir" haben die Wahl, als Besucher und/oder als Bands. Wollen wir weiterhin auch kleinere Konzerte sehen bzw selbst welche spielen, sollten wir (und da nehm ich auch mich faulen Sack selbst an der Nase) auch hin und wieder mal welche besuchen. Eine DIY Szene gibts nicht mehr, (achtung "alter Mann style":) da war das schon noch einfacher vor einigen Jahren - da waren wir mit jeder zwetien Band aus "unserem" Dunstkreis befreundet - jeder ging auf die Gigs vom anderen, auch wenns manchmal nicht so interessant war, aber man supportet halt - das nächste mal kommen die Leute auch wieder zu einem selbst...heute kenn ich vielleicht 5 aktive ösi-bands persönlich...