Verfasst: 22 Sep 2006, 22:56
Aufstieg trotz \"Nicht genügend\"
Die Qual der Wahl - eine Kolumne von Florian Scheuba
Diesmal darf ich mich unbescheiden als Experte mit Höchstkompetenz an Sie wenden - vergleichbar mit Josef Hickersberger zum Thema \"Man kann nicht immer nur gewinnen\" oder Rainhard Fendrich über enttäuschte Erwartungen bezüglich der kreativitätssteigernden Wirkung von Kokain - denn heute geht es um das richtige Parodieren von Jörg Haider. Und da kann ich mir ein Urteil ex cathedra erlauben: H.-C. Strache ist der schlechteste Haider-Imitator auf Gottes Erdboden. Außer dem heißen Bemühen stimmt bei ihm nichts.
# Mimik: Grinsen ist nicht Grinsen. Schief, frech, verschlagen, hinterfotzig, kokett - geht alles. Blöd - nie.
# Sprache: Die überbetonten \"sch\" und \"st\" waren bei Haider drollige Anpassungsversuche eines Oberösterreichers an das Kärntner Idiom, bei Strache klingen sie wie das Resultat missglückter Selbstversuche eines untalentierten Zahntechnikers.
# Selbstinszenierung: Trotz aller Eseleien gelang es Haider sich sogar im Bewusstsein seiner Gegner als DOKTOR Haider zu etablieren, bei Strache spürt jeder, dass er es auch mithilfe von Doktor Roland nie geschafft hätte.
# Sprüche: \"Er hat euch nicht belogen\" war aus dem Munde Haiders eine sich sofort selbst widerlegende Aussage, so wie \"Sie haben diesen Satz nicht gelesen\" und wurde aufgrund ihrer Dreistigkeit zu Recht Kult. \"Daham statt Islam\" klingt wie von einer Horde depressiver Alkoholiker um drei Uhr früh am Würstelstand deliriert, ein Moment, in dem selbst Elisabeth Spira pietätvoll die Kamera ausgeschaltet hätte.
:laugh:
# Bad-boy-Sexappeal: chancenlos. Ein Time-Cover und EU-Sanktionen sind halt was anderes als ein \"Zur Zeit\"-Titelbild und Lokalverbot beim Plachutta.
# TV-Auftritte: Als Haider noch halbwegs bei sich war, immer eine Show mit leicht gruseligem Unterhaltungswert. Wenn Strache vor laufender Kamera erfährt, dass man ihm laut Gerichtsurteil Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut nachsagen darf, ist seine Fassungslosigkeit ungespielt, weil er es wirklich nicht glauben kann, dass man ihm die Nähe zu irgendeiner Form von Gedankengut zutraut.
Bleibt unterm Strich ein glatter Fleck für H.-C., den darüber hinaus in seiner wahren Spezialdisziplin nicht einmal der eigene Parteisekretär Vilimsky als Sieger sieht (\"Im Bewerb um den dümmsten und tiefsten Politiker ist Westenthaler der klare Favorit\").
Trotzdem wird der FPÖ-Chef sein Wahlziel \"zehn Prozent\" locker übertreffen. Der Grund liegt darin, dass es der jeweiligen Zielgruppe letztlich wurscht ist, wer bei einem Pornofilm Regie führt oder sich im RTL-Dschungel-Camp zu den Schaben und Maden legt. Da kann sich Strache sogar im Falter-Interview ein radikal ehrliches Geständnis erlauben: \"Ein Partner an meiner Seite wäre sehr arm. Das ist niemandem zuzumuten.\" Beten wir, dass Wolfgang Schüssel das nach dem 1. Oktober nicht anders sieht. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2006)
:totlach: :laugh: :totlach:
Die Qual der Wahl - eine Kolumne von Florian Scheuba
Diesmal darf ich mich unbescheiden als Experte mit Höchstkompetenz an Sie wenden - vergleichbar mit Josef Hickersberger zum Thema \"Man kann nicht immer nur gewinnen\" oder Rainhard Fendrich über enttäuschte Erwartungen bezüglich der kreativitätssteigernden Wirkung von Kokain - denn heute geht es um das richtige Parodieren von Jörg Haider. Und da kann ich mir ein Urteil ex cathedra erlauben: H.-C. Strache ist der schlechteste Haider-Imitator auf Gottes Erdboden. Außer dem heißen Bemühen stimmt bei ihm nichts.
# Mimik: Grinsen ist nicht Grinsen. Schief, frech, verschlagen, hinterfotzig, kokett - geht alles. Blöd - nie.
# Sprache: Die überbetonten \"sch\" und \"st\" waren bei Haider drollige Anpassungsversuche eines Oberösterreichers an das Kärntner Idiom, bei Strache klingen sie wie das Resultat missglückter Selbstversuche eines untalentierten Zahntechnikers.
# Selbstinszenierung: Trotz aller Eseleien gelang es Haider sich sogar im Bewusstsein seiner Gegner als DOKTOR Haider zu etablieren, bei Strache spürt jeder, dass er es auch mithilfe von Doktor Roland nie geschafft hätte.
# Sprüche: \"Er hat euch nicht belogen\" war aus dem Munde Haiders eine sich sofort selbst widerlegende Aussage, so wie \"Sie haben diesen Satz nicht gelesen\" und wurde aufgrund ihrer Dreistigkeit zu Recht Kult. \"Daham statt Islam\" klingt wie von einer Horde depressiver Alkoholiker um drei Uhr früh am Würstelstand deliriert, ein Moment, in dem selbst Elisabeth Spira pietätvoll die Kamera ausgeschaltet hätte.
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# Bad-boy-Sexappeal: chancenlos. Ein Time-Cover und EU-Sanktionen sind halt was anderes als ein \"Zur Zeit\"-Titelbild und Lokalverbot beim Plachutta.
# TV-Auftritte: Als Haider noch halbwegs bei sich war, immer eine Show mit leicht gruseligem Unterhaltungswert. Wenn Strache vor laufender Kamera erfährt, dass man ihm laut Gerichtsurteil Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut nachsagen darf, ist seine Fassungslosigkeit ungespielt, weil er es wirklich nicht glauben kann, dass man ihm die Nähe zu irgendeiner Form von Gedankengut zutraut.
Bleibt unterm Strich ein glatter Fleck für H.-C., den darüber hinaus in seiner wahren Spezialdisziplin nicht einmal der eigene Parteisekretär Vilimsky als Sieger sieht (\"Im Bewerb um den dümmsten und tiefsten Politiker ist Westenthaler der klare Favorit\").
Trotzdem wird der FPÖ-Chef sein Wahlziel \"zehn Prozent\" locker übertreffen. Der Grund liegt darin, dass es der jeweiligen Zielgruppe letztlich wurscht ist, wer bei einem Pornofilm Regie führt oder sich im RTL-Dschungel-Camp zu den Schaben und Maden legt. Da kann sich Strache sogar im Falter-Interview ein radikal ehrliches Geständnis erlauben: \"Ein Partner an meiner Seite wäre sehr arm. Das ist niemandem zuzumuten.\" Beten wir, dass Wolfgang Schüssel das nach dem 1. Oktober nicht anders sieht. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2006)
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