
Mittlerweile ist es schon kaum mehr möglich, mit Wissen abseits des Mainstreams auf Geburtstagsfeiern die Leute zu begeistern (positive Ausnahmen natürlich ausgenommen). Das Wissen um die Funktionsweise einer Batterie, den Unterschied zwischen magnetischem und geographischem Pol (und warum der magnetische Nordpol eigentlich magnetischer Südpol heißen sollte) oder die Ordnungszahl von Sauerstoff rufen nur ein müdes Lächeln hervor, Kenntnisse über den Mechanismus der Sternentstehung, die Evolution oder über die Signalverarbeitung im Gehirn bescheren dem derart Bewanderten höchstens den Titel „Freak".
In der Tat scheint die Aussage "Hauptsache es macht, was es soll" gesellschaftsfähig zu sein. Nicht nur, dass dieses Desinteresse zur intellektuellen Verarmung beiträgt, nein, es ist auch Nährboden für all den Unfug, den wir mit Beginn des modernen Zeitalters eigentlich überwunden zu haben gehofft hatten. Wie sonst lässt sich erklären, dass Ungeheuerlichkeiten wie Homöopathie, Astrologie oder Spiritismus wieder verstärkt Einzug in die Köpfe der Menschen halten und vollkommen unreflektiert akzeptiert werden? Einzig und allein damit, dass fehlendes Wissen Tür und Tor für Ideen öffnen, die im besten Fall harm- und nutzlos, im schlimmsten Fall aber gefährlich sind.

nichts, aber rein gar nichts anderes meinte ichtschunta hat geschrieben:Die Nietsche-Aussage "Gott ist tot" hat aber aus seiner Sicht eher die Bedeutung: "Die Idee von Gott ist überholt"
wenn leute sagen "bow down to the almighty rosa meerschweinchen" so bist du denen gegenüber dann sehr wohl provokant, gerade, wenn du es als "tot" bezeichnen würdest.Aamon hat geschrieben:Ich bin also provokant, wenn ich sage, es gibt kein rosa Meerschweinchen, welches das Universum erschaffen hat.
Genau das meinte ich, und so versteh ich (!) "Gott ist tot" auch - ich wollte lediglich darauf hinweisen dass daraus ja eine richtige weitergehende CHRISTLICHE Theologie entstanden ist, die - meinem Verständnis nach - mit der Kernaussage Nietzsches ja nichts mehr zu tun hat, ging ja eher so in die Richtung "Wir leben ohne Gott, obwohl er da ist" etc...tschunta hat geschrieben:Die Nietsche-Aussage "Gott ist tot" hat aber aus seiner Sicht eher die Bedeutung: "Die Idee von Gott ist überholt", hat also nichts damit zu tun, dass er jemals dachte, dass Gott irgendwann mal gelebt hat. Nietzsche ist ein Atheistischer Philosoph so wie viele andere auch, und es gab und gibt auch viele Philosophen, die von einer höheren Macht (welcher auch immer) sprechen und daraus irgendwie den Sinn des Lebens ableiten (das machen Philosophen ja gemeinhin). Und die Aussage war von Nietzsche damals absolut auch provokativ gemeint, und zwar genau in dem Kontext, wie von mir beschrieben. Er meinte, dass die Gottes-Idee passé ist und formulierte das derart drastisch, dass er damit Aufmerksamkeit erlangte.